Geschichte von Wildenbruch

Geschichte

Hier finden Sie Informationen zur Geschichte von Wildenbruch.

Die nachfolgenden Texte wurden uns freundlicherweise vom Heimatverein Wildenbruch e.V. zur Verfügung gestellt.


Der Text kann vom ursprünglichen Original abweichen und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Zeittafel

  • Errichtung der Wehrkirche in Wildenbruch

  • Erste Erwähnung Wildenbruchs im Landbuch Kaiser Karl IV. als Wildenbruke (Größe: 59 Hufen)

  • 4 Bauernhöfe, die Mühle und ein Kossätenhof werden als Wüstung angegeben

  • Kurfürstliche Amt Saarmund fordert von den Wildenbruchern Bauern, dass sie Hand- und Spanndienste leisten sollen

  • 1000 Mann der Schweden plündern Wildenbruch, schlachten viele Rinder und nehmen 11 Pferde als Beute mit

  • Die Schweden kommen wieder, zechen den ganzen Tag und brennen am Abend den Dorfkrug nieder

  • Von 18 Bauern- und Kossätenhöfen haben nur 6 den Krieg überlebt

  • Der Dorfkrug ist wieder aufgebaut nach dem Brand im 30-jährigen Krieg

  • Schneiderhandwerk in Wildenbruch gegründet

  • Auf dem Kirchhof werden für die Seidenraupenzucht 26 Maulbeerbäume angepflanzt

  • Schmiedehandwerk in Wildenbruch angesiedelt

  • 8 hufenlose Häuser in Wildenbruch werden belegt mit Tagelöhnern, Handwerkern und dem Dorfhirten

  • Oktober und November: Napoleonische Truppen in Wildenbruch als Okkupanten (165 Offiziere, 12.795 Mannschaften); requiriert werden 340 Schafe, 7 Kühe, 135 Schweine, 288 Hühner und zwei Ochsen, sowie 100 Scheffel Getreide

  • Großbrand in Wildenbruch; 5 Bauernhöfe niedergebrannt

  • Für die 10 Gefallenen des 1. Weltkrieges wird ein Kriegerdenkmal errichtet

  • Entstehung neuer Ortsteile; Zuzug von Abwanderern aus dem ehemals deutschen Provinzen Posen und Westpreußen, sowie von Berliner Bürgern

  • Einwohnerzahl gegenüber den 20er Jahren (270 Personen) hat sich infolge der Errichtung der neuen Ortsteile mehr als verdoppelt (700 Personen)

  • Einwohnerzahl von Wildenbruch steigt auf 1.140 Personen an

  • Sowjetische Truppen besetzen Wildenbruch; Die Mühle brennt bei Kampfhandlungen ab; Es sind im 2. Weltkrieg 53 Todesopfer zu beklagen

  • Durch Flüchtlinge und Evakuierte steigt die Einwohnerzahl auf 1.457 Personen

  • Bildung einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG)

  • Alle Bauern in Wildenbruch werden, teilweise durch Zwang, in der LPG vereinigt

  • Die LPG kann erstmals am Jahresende an ihre Mitglieder eine Restzahlung verteilen

  • Die LPG Wildenbruch wird mit anderen landwirtschaftlichen Betrieben der Nachbardörfer zu größeren Produktionseinheiten zusammengeschlossen

  • Wildenbruch erhält einen Schulneubau (zunächst den 1. Teil) als eine der ersten Gemeinden im Landkreis Potsdam nach der Wende

  • Fertigstellung und Einweihung des Schulneubaues

  • Ein Hotel entsteht in Wildenbruch

  • In der Wildenbrucher Gemarkung beginnt der Bau der Golfanlage des Golf- und Country Club Seddiner See; Es entstehen zwei 18-Loch-Golfplätze mit entsprechendem Übungsgelände und Betriebshof am Fercher Weg, sowie ein Wohnviertel für gehobene Ansprüche

  • Wildenbruch wird teilweise an die Kanalisation angeschlossen

  • Eine neue Wohnsiedlung am Saarmunder Weg entsteht

  • Fertigstellung der Golfanlage

  • Neubau einer Sport- und Mehrzweckhalle

  • Neubau eines Depots für die Feuerwehr

  • Einweihung des Bürgerhauses (ehemals alte Schule)

Wildenbruch in der Mark Brandenburg

Bei der Gründung der Mark Brandenburg im 12. Jahrhundert spielte die Zauche, eine slawische Bezeichnung für den Beelitzer Sander, eine wichtige Rolle, denn um 1100 waren die Zauche und das Havelland, das Gebiet des slawischen Stammes der Heveller. Im Jahr 1127 kam der christianisierte Heveller-Fürst Pribislaw-Heinrich an die Macht, der enge Kontakte zum Askanier Albrecht dem Bären unterhielt. Als Pate schenkte er Albrechts erstem Sohn Otto I. zur Taufe die Zauche. Selbst kinderlos, vererbte er ferner die Macht in Brandenburg mit seinem Tod im Jahr 1150 an Albrecht den Bären. Dieser gründete am 11. Juni 1157 die Mark Brandenburg und wurde deren erster Markgraf. Neben älteren Teilen aus dem askanischen Streubesitz umfasste diese ursprüngliche Mark Brandenburg lediglich das Havelland und die Zauche.Im Vertrag von Fürstenwalde (1373) war es Kaiser Karl IV. gelungen, die Mark Brandenburg wieder in den Besitz seines Herrscherhauses, der Luxemburger, zu bringen. Zu seinen ersten Regierungshandlungen gehörte die Anordnung, ein Landbuch anzufertigen, um die Besitz- und Finanzverhältnisse der Mark, die während der zuvor währenden Wittelsbacher Herrschaft in Unordnung geraten waren, zu ordnen und einen Überblick über alle damals zur Mark gehörenden Schlösser, Städte und Dörfer nach ihrer Größe, den Besitzverhältnissen, Abgaben und Leistungen zu erhalten und so die Steuerkraft des Landes sicher zu ermitteln. In dem 1375 fertiggestellten Landbuch wird eine Vielzahl von Märkischen Ortschaften erstmals urkundlich erwähnt, darunter auf den Seiten CXCI und CXII "Wildenbruke". (nach Dr. W. Künzel, 1986)

12. bis 18. Jahrhundert

Lange vorher schon haben Menschen in diesem Gebiet gesiedelt, das bezeugen zahlreiche Funde auf dem Rötberg. Im 12. Jahrhundert begann eine große Kolonisationsbewegung. Die geschützt liegende Dorfstelle bot sich zur Besiedlung an. Der Ort bekam aber auch eine strategische Bedeutung. Die Dorfbewohner hatten die Aufgabe, die wichtige Handelsstraße, die über Beelitz und Saarmund führte, an einer gefährlich schmalen Stelle zu schützen. Wildenbruch hatte gemeinsam mit Fresdorf die Sicherung zu übernehmen. Somit wurde Wildenbruch auch zum militärischen Stützpunkt, was ebenfalls den Wehrcharakter der Kirche erklärt. Die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges bekam Wildenbruch 1630/31 zu spüren, als Teile der Armee des Schwedenkönigs bei Tremsdorf ein festes Lager aufschlugen und Kriegstribute von allen umliegenden Dörfern forderten. Der schlimmste Feind der damaligen Bevölkerung war allerdings die Pest. Von 1630 bis Ende 1631 fielen 51 Einwohner Wildenbruchs - ein Drittel der damaligen Dorfbevölkerung - der Seuche zum Opfer. 1637 kam die Seuche erneut zurück. Von den ursprünglich 18 Bauern- und Kossätenhöfen haben letztendlich nur sechs den Dreißigjährigen Krieg und die Pest überstanden. Zwei Drittel aller Höfe verödeten. Selbst der 1631 von den Schweden zerstörte Dorfkrug wurde erst 1694 wieder neu errichtet. Erst Anfang des 18.Jahrhunderts siedelten sich langsam wieder Handwerker und Gewerbe an. Im 18. Jahrhundert wurde auf Initiative von König Friedrich II. in Wildenbruch eine Seidenraupenzucht angelegt. 1722 wurden auf dem Kirchhof die ersten Maulbeerbäume gepflanzt. Die zahlreichen Maulbeerbaum-Plantagen zeugten bis Ende des 19.Jahrhunderts von dieser Zeit.

19. und 20. Jahrhundert

Ein Großbrand im Jahr 1884 vernichtete erneut etliche Höfe in Wildenbruch. Danach entstanden an Stelle der ursprünglich strohgedeckten Lehmhäuser nun Wohngebäude im Stil der Gründerzeit. Diese Häuser wurden nicht mehr mit dem Giebel, sondern der breiten Hausseite zur Straße errichtet. Im 19. Jahrhundert wandelte sich das Bild. Die Separation war in Wildenbruch 1855 abgeschlossen. Somit konnten die Höfe frei über ihren Besitz verfügen. Die Folge waren Landverkäufe und Parzellierungen. Dies führte ab 1910 zu neuen Besiedlungen und hatte einen Bevölkerungszuwachs auf ungefähr 800 Einwohner zur Folge. 1919/20 bekam das Dorf elektrisches Licht und war somit der modernen Zeit geöffnet. Nichtsdestotrotz übte Albert Bellin sein Amt als Nachtwächter des Dorfes noch bis 1933 aus. Außerdem war er auch für Arbeiten in der Kirche und auf dem Friedhof zuständig. Ab 1928 verfügte das kleine Dorf über 2 Schulen. In dieser Zeit entstanden nacheinander die hier erwähnten "Siedlung", dann die Waldheimstraße und die Siedlung Lehnmarke entstammt der Gründerzeit des Dorfes und der Besiedlung durch die Deutschen. Unten im Bild können Sie die alte Schule in der Dorfmitte sehen. Der Zweite Weltkrieg hinterließ in Wildenbruch einen geschwächten Bauerstand und ebnete so bereits im Jahre 1952 den Weg in die LPG (Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft). Diese hatte zunächst große Anlaufschwierigkeiten. Ab Mitte der 60er Jahre ging es dann aufwärts. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 erfuhr Wildenbruch erneut eine große Zuzugswelle. Die jetzige Einwohnerzahl liegt weit über 2.000. Im Sommer 1997 wurde auf dem zuvor brachliegenden Areal der ehemaligen LPG die Golfanlage am Großen Seddiner See fertiggestellt. Am 5. Mai 1993 hatte das brandenburgische Kabinett das Projekt positiv beschieden, 1994 wurde die entsprechende Baugenehmigung für das rund 185 Hektar große Golfplatz-Areal nördlich des Großen Seddiner Sees erteilt. Die Initiatoren dieses Gesamtprojektes, das mit einer Fläche von insgesamt rund 250 Hektar neben der Golfanlage auch ein angrenzendes Wohngebiet einschließlich eines (geplanten) Hotels umfasst, waren Ferdinand Fürst von Bismarck, Rechtsanwalt Nicolai A. Siddig und die HYPO-REAL Immobilien- und Projektentwicklungs-GmbH, ein Unternehmen der Hypo-Vereins-Bank-Gruppe. Die hier gebaute Golfanlage mit zwei 18-Löcher-Meisterschaftsplätzen gehört zu den absoluten Top-Golfanlagen in Deutschland und genießt - auch international - einen exzellenten Ruf. Im Dezember 2000 wurde die Golfanlage an die Aktionäre und Clubmitglieder verkauft, die nunmehr Eigentümer der von ihnen genutzten Golfanlage sind. Bis zur Kommunalwahl am 26. Oktober 2006 war Wildenbruch eine eigenständige Gemeinde. Seit diesem Zeitpunkt ist Wildenbruch nun Bestandteil der neuen amtsfreien Gemeinde Michendorf, zu der ferner die Ortsteile Wilhelmshorst, Langerwisch, Fresdorf, Stücken und Michendorf gehören.

Altes Schulhaus
Altes Schulhaus in der Wildenbrucher Siedlung
Denkmal der Gefallenen im 1. Weltkrieg
Denkmal der Gefallenen im 1. Weltkrieg
Europas schönster Golfplatz
Europas schönster Golfplatz
Bürgerhaus im Dorfzentrum von Wildenbruch
Bürgerhaus (Alte Schule) im Dorfzentrum von Wildenbruch

Die Entstehung der Wildenbrucher Siedlungen Six, Bergheide und Lehnmarke

Die Siedlung Six entstand etwa um 1933. Ab 1935 wurden von der Siedlungsgesellschaft "Six" konkrete Angebote für die Bebauung vorgelegt. Vorgesehen war, dass die Häuser in der Siedlung alle gleich sein sollten. Es kam aber nur zum Bau von zwei Häusern durch die Siedlungsgesellschaft, weitere Bauten wurden durch den Ausbruch des 2. Weltkrieges verhindert. Danach konnte dann jeder bauen wie er wollte und wie Geld vorhanden war. Die kleine Siedlung Six hatte aber auch im Wald das Lager des Reichsministers Rosenberg, das sogenannte Ostministerium, es entstand 1943. Es arbeiteten dort ukrainische Gefangene. Eine Bahnlinie führte vom Gelände des Ministeriums gab es auch ein Wasserwerk. Nachdem das Lager verlassen war, packten alle Anwohner der Siedlung mit an und legten sich eine Wasserleitung vom Gelände des Ostministeriums in die Siedlung hinein. Geleitet wurden diese Arbeiten von Herrn Wechsung, da er auch in diesem Beruf arbeitete. Gleich darauf gründeten die Herren Wechsung, Brinkmann, Mewes und Gouvereue eine Wassergesellschaft. Sie bestand von 1945 bis 1972. Danach wurde die verstaatlicht und der Wasserwirtschaft Potsdam angeschlossen. Die Siedlung hat sich bis heute kaum verändert. Die Entstehung der Siedlung Bergheide geht etwa auf 1920 zurück. Bergheide war ein Waldgebiet der Wildenbrucher Bauern. Sie verkauften ihren Wald an Herrn Goldstein. Er teilte den Wald in Parzellen und verkaufte diese an Interessenten weiter. Die meisten Käufer stammten aus Berlin. Sie nutzten ihr Land zunächst als Wochenende-Grundstücke. Geplant war, dass die S-Bahn bis zur Autobahn führen sollte. Diese Pläne zerschlugen sich aber durch den 2. Weltkrieg. Auch die kleine Kapelle, deren Bau durch die Adventisten Scherf und Komnick geplant war, konnte nicht mehr errichtet werden. In der Siedlung gab es keine Wasserleitung. Es waren lediglich vier Pumpen vorhanden, sowie einige private Brunnen auf den Grundstücken. Von 1976 bis 1978 bauten sich die Anwohner deshalb in Eigenleistung ein Pumpenhaus und verlegten Wasserleitungen. Die Bebauung Leipziger Chaussee ist hauptsächlich auf die Herrn Preuß und Millinger zurückzuführen. Herr Preuß betrieb eine Tankstelle, heute Wohnhaus der Familie F. Maaß. Millinger siedelte sich 1912 hier an. Mit dem Kauf seines Grundstückes erwarb er auch die Gaststätte "Heidekrug". In einem Teil der Gaststätte wurde nach 1945 eine Konsum-Verkaufsstelle eingerichtet. Und am Fercher Weg entstand vorübergehend die Gärtnerei Zwinkau. Die letzte, hier noch nicht erwähnte Siedlung ist die Lehnmarke. Sie ist ganz anders als die anderen beiden Siedlungen und vor allem viel früheren Ursprungs. Schon im Landbuch von 1375 wird die Lehnmarke erwähnt und ihre Größe mit 10 Hufen (1 Hufen = 10 Morgen = 2.500m²) angegeben. Nicht ganz einig sind sich die Historiker, ob die "Wendemarke" und die "Lehnmarke" identisch sind. Als sicher aber wird angenommen, dass bei der Besiedlung des Dorfes durch die Deutschen die ursprünglich hier lebenden Wenden aus dem Dorf verdrängt und aus Sicherheitsgründen dann in der Lehnmarke - gebührend weit entfernt vom Dorf - wieder angesiedelt wurden. Es waren Kossäten, d.h. Leute, die ihr Land ohne Verwendung eigener Zugtiere bebauten. Dr. Georg Klünder (Pfarrer in Wildenbruch von 1933 bis 1950) erwähnt in seiner Chronik "Untersuchung über die Geschichte Wildenbruchs", dass die Lehnmarken-Kossäten zur Kontrolle ihrer Botmäßigkeit "untertan seien" und als Arbeitskräfte für die Urbarmachung der Feldmark ins Dorf gezogen wurden.

Die Feldsteinkirche

Die Feldsteinkirche in Wildenbruch, wehrhaft und schön, zeugt nicht nur von der Kunstfertigkeit unserer Vorfahren, sondern ist auch steinernes Dokument der Gründungszeit unseres Dorfes. Der Bau der Kirche kann dem frühen 13. Jahrhundert zugeordnet werden. Die Kirche besitzt ein Meter dicke Mauern aus Feldstein und einem Breitturm, dessen Fachwerkaufsatz allerdings erst im Jahr 1737 errichtet wurde. Sie diente in Zeiten kriegerischer Auseinandersetzungen auch als Zufluchtsort für die Bevölkerung.

Wehrkirche in Wildenbruch
Wehrkirche in Wildenbruch
Kirche Innenansicht
Kirche historische Innenansicht

Die Bockwindmühle

Hoch oben auf dem Mühlenberg stand malerisch die hier abgebildete Bockwindmühle, die schon 1375 erstmals amtlich erwähnt wurde. In einer alten Chronik wurden die Namen der Müller vom Beginn des 17. Jahrhunderts an vollständig festgehalten. Der letzte Müller war Friedrich August Carl Rietdorf. Er verstarb 1941. Bei Kriegshandlungen 1945 brannte die Mühle vollständig aus.

Blockwindmühle auf dem Mühlenberg
Ehemalige Blockwindmühle auf dem Mühlenberg

Die Alte Poststraße

Die "Alte Poststraße" in Wildenbruch heißt nicht nur so, sondern war tatsächlich ein Teilstück der alten Postverbindung zwischen Berlin und Leipzig, die im Jahre 1659 als Postweg in Betrieb genommen wurde. Sie führte von Leipzig kommend, hinter Beelitz über Seddin und Kähnsdorf - entlang des Seddiner Sees - nach Wildenbruch. Schon in alter Zeit war die Landenge zwischen dem Kähnsdorfer und dem Seddiner See eine besonders gefährdete Stelle. Zur Verteidigung dieser Landenge wurden die Dörfer Wildenbruch und Fresdorf außerdem gewöhnlich stark besiedelt. In der Wildenbrucher Chronik kann man von den Schreckenstaten der Soldaten des Schwedenkönigs und anderen Armeen lesen. Aber auch Wegelagerer und Straßenräuber fanden diesen Teil der Straße sehr verlockend. Jetzt nimmt die Fernverkehrsstraße einen anderen Verlauf, und die ehemalige Poststraße ist zwischen Kähnsdorf und Wildenbruch ein beschaulicher, reizvoller Wanderweg geworden. Ab dem Jahre 1724 führte die Postroute Berlin - Leipzig - Halle entlang der heutigen B 2 von Potsdam über Michendorf nach Beelitz. Auf dieser Route reisten u.a. J. S. Bach, um sich am Hofe Friedrichs II. vorzustellen, J. W. v. Goethe, der 1778 seinen inkognito reisenden Herzog begleitete, Hans Christian Andersen und sogar W. A. Mozart ist zweimal hier entlang gekommen. Die erste Posthalterei nach dem Start in Berlin war Beelitz. Dort wurden die Pferde gewechselt. Die Passagiere konnten in einer Stube darauf warten, dass es mit den frischen Pferden weiterging in Richtung Leipzig. Auch heute noch kann man sich auf der historischen Postroute befördern lassen. In drei Tagen geht es von Berlin nach Leipzig.

Die Bienenfarm

Ganz sicher zur Freude aller Obstbauern der Umgebung existierte in Wildenbruch eine Bienenfarm. Die Reichsfachgruppe für Bienenzucht mit Sitz in Berlin hatte hier eine der wohl größten Anlagen dieser Region eingerichtet. Das Gelände an der Hauptstraße, Ecke Grenzstraße war für eine Konservenfabrik vorbereitet worden, die hier entstehen sollte, aber dann doch nicht gebaut wurde. Anfang der 30er Jahre erwarb die genannte Fachgruppe dieses Areal, das für Bienenzucht sehr geeignet schien. Wieviel Bienenvölker hier gehalten wurden, wissen wir nicht, können es aber erahnen. Wenn man einen hohen und gut sortierten Ertrag haben möchte, muss man den Bienen auch ein gutes Angebot machen, d.h., man muss dahin wandern, wo es viele Blüten gibt. Gewandert werden kann jedoch nur nachts, denn die lieben Bienen müssen ja auch in ihrem Kasten sein. Die Wanderwagen wurden bis Vendoche b. Beelitz gebracht, wo auch neue Königinnen herangezüchtet wurden; eine Arbeit, die viel Fingerspitzengefühl erfordert, wie jeder Imker bestätigen kann. Das Futter für ihre kostbaren Schützlinge wurde übrigens vom ersten Bäcker Wildenbruchs, "Opa Tietz", zubereitet. Er bekam Puderzucker und Honig von der Farm geliefert und knetete kleinste Portionen für die Königinnen daraus. Viel Arbeit machten wohl auch die gepflegten Blumenanlagen und Wege, die von unzähligen Frühblühern gesäumt wurden. Die Blumenzwiebeln wurden in größeren Mengen aus Holland eingeführt. Während des Krieges wurde das schöne. mit Reet gedeckte Wirtschaftsgebäude von einer Phosphorbombe getroffen und brannte vollständig herunter. Auf der Farm wurde aber weitergearbeitet. Im März 1951 war Familie Prüwer aus Leegebruch zugezogen, sie hatte die Bienenfarm vom Landes-Imkerverband gepachtet. Sie betrieben die Bienenzucht, bis sie 1958 in den westlichen Teil Deutschlands gingen. Nachfolger von Prüwers wurde die Familie Helmke. 1961 hat die Familie Domaczek das Wohnhaus in der Bergstraße und die Bienenfarm gekauft. Die Bienenhäuser waren zwar noch vorhanden, aber doch nicht mehr in sehr gutem Zustand, besonders die Dächer, die ebenfalls mit Reet gedeckt waren. Nach und nach hat dann Herr Domaczyk die Bienen in Wagen untergebracht, mit denen dann auch gewandert wurde. Nach dem Tod des Imkers 1978 wurde das Grundstück dann an Betriebe aus Magdeburg und Görzke verkauft, die es als sehr begehrte Ferienobjekte nutzten. Nach 1933 blieb es ungenutzt und die Gebäude wurden abgerissen. Bis heute ist das Gelände verwaist.

Die Feuerwehr

Eine äußerst wichtige Aufgabe in den Dörfern, so natürlich auch in Wildenbruch, hatte immer schon die Feuerwehr inne. Sie war nicht nur für die Sicherheit der Leute zuständig, sondern natürlich auch für das dörfliche Gemeinschaftsleben.

Vereine & Sport

Zahlreiche Vereine sorgten für Bewegung und Abwechslung. Nicht zuletzt förderten sie auch das Zusammengehörigkeitsgefühl der Dorfbewohner. Der Sport spielte im Dorf eine große Rolle. Beim Reiterfest konnten die jungen Männer des Dorfes ihre Geschicklichkeit beweisen. Bei der Gründung der "Sportgemeinschaft Wildenbruch" wurde nicht nur der Ball gezielt ins Tor befördert, sondern auch die Jugend von Siedlung und Dorf endlich zusammengeführt.


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