Wildenbruch – die Ruhe vor dem Sturm

Still und starr ruhen Ort und See und harren der Dinge, die da bald auf beide zukommen. Nämlich der Menschen, vor allem derer, die ihren Großstadt- und Corona-Blues für ein paar Stunden vergessen wollen. Die schöne Natur lenkt sie ab und wir freuen uns, dass unser Ort und seine Umgebung so beliebt sind. Soweit so gut, also herzlich willkommen!

Freizeitnutzung und Schutz von Landschaft und Natur – schwierige Konstellation!

Alleine die Auswirkungen im Landschaftsschutzgebiet zeigen aber, dass nicht alle verstanden haben, dass der Große Seddiner See mit seinen umgebenden Landschaften nicht der Görlitzer Park in Kreuzberg oder der Volkspark Potsdam ist, sondern ein sensibler und wichtiger Naturraum für wildlebende Pflanzen und Tiere – und so ganz nebenbei auch Lebensraum für die hier ansässigen Menschen.

Die durch den Grundwasserrückgang entstandene Rundherum-Strandpromenade wird von Auswärtigen und Einheimischen exzessiv genutzt, wahlweise mit Hunden, Pferden, Cross-Motorrädern und Quads. Kunstvoll ausgestaltete Labyrinth-Pfade durch das Schilf, Müll und Hundekot zeugen vom Unverständnis der sich „Erholenden“ für ein gutes Miteinander von Natur und Mensch. Die im letzten Jahr von Ortsbeirat und Jägern aufgestellten Biotopschutz-Schilder werden verbeult, beschmiert oder gar ganz entfernt. Die Behörden haben „wie immer“ viel zu wenig Personal, um Verstöße zu ahnden. Und wo keine Kontrolle, macht der Mensch eben was er will.

Bevor die Berlin-Potsdamer Frühlingsoffensive dem See und seinen Uferzonen den Rest gibt, wollen wir zum einen eine Aufklärungs- und Informationskampagne starten und zum anderen auch bestimmte Bereiche so behutsam „absperren“, dass die Besucher in verträglichere Bereiche gelenkt werden. Ich habe dazu schon mit verschiedenen Beteiligten wie der Unteren Naturschutzbehörde (UNB), der Naturparkleitung, der Bürgermeisterin, meinem Ortsvorsteher-Kollegen aus Fresdorf und der Schulleitung der Grundschule in Wildenbruch gesprochen. In der letzten Ortsbeiratssitzung haben wir das Thema auch behandelt.

Was hilft? Wer macht‘s?

In einer Konferenz am 11. März sollen alle Möglichkeiten mit den Zuständigen ausgelotet werden und kurzfristig in entsprechende Maßnahmen münden. Die rechtlichen Grundlagen sind dabei der Maßstab, den es einzuhalten gilt. Einfach einen Schutzzaun um bestimmte Uferbereiche ziehen geht eben nicht. Der Schwerpunkt wird Aufklärung und Information sein, wobei hier auch die Schülerinnen und Schüler in Zusammenarbeit mit dem Naturpark Nuthe-Nieplitz wichtige Beiträge leisten können und laut Schulleitung auch wollen. Um unser Ordnungsamt und die Park-Ranger zu unterstützen, sind aber auch Freiwillige aus unserem Ort gefragt.

Eine große Aufgabe – Freiwillige vor!

Was hier so einfach klingt, verlangt aber eine Menge Arbeit und Engagement, was sich jedoch langfristig für unseren Ort und seine Umgebung auszahlen wird. Der an 17. Stelle meines 20-Punkte-Planes für ein bürgerfreundliches Wildenbruch genannte Uferentwicklungsplan zum Schutz des Nordufers des Seddiner Sees, wird ein Ergebnis unserer Anstrengungen sein. Ich habe diesen in Grundzügen im letzten Jahr mit Behördenvertretern schon vorerörtert und ermutigende Signale bekommen. Ein Naturlehrpfad mit Vogelbeobachtungsturm und teilweisen Sichtschneisen im Erlensaum rücken so in greifbare Nähe. Beruhigung des Nordufers bei gleichzeitiger Umweltbildung und gezielter Lenkung der Besucher wird im Saldo als Plus für die Natur, unsere Besucher und uns Wildenbrucher stehen.

Wenn Sie Interesse haben einen Beitrag zum Schutz unserer Seeumgebung zu leisten, so melden Sie sich bitte unter der E-Mail-Adresse [email protected], damit wir die verschiedenen, notwendigen Aktivitäten koordinieren können. Jede gute Idee und jede helfende Hand ist gefragt – ich freue mich auf Ihre Rückmeldungen.

Günther Schiemann, Ortsvorsteher Wildenbruch